Prostatavergrößerung (BPH)

Hinter der medizinischen Kurzbezeichnung „BPH“ verbirgt sich der Fachbegriff „benigne Prostatahyperplasie“. Gemeint ist damit eine gutartige Prostatavergrößerung. Etwa die Hälfte aller Männer über 60 Jahren ist davon betroffen. Die genauen Entstehungsursachen sind unbekannt. Die gutartige Prostatahyperplasie stellt den häufigsten Grund für Blasenentleerungsstörungen beim Mann dar.

Entstehung

Etwa zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr kommt es bei etwa der Hälfte der Männer zu einem übermäßigen Zellwachstum des Prostatagewebes. Diese Zellvermehrung ist gutartig oder benigne. Sie führt aber zu einer Geschwulst, die sich im Laufe der Zeit zu den benachbarten Organen, wie der Blase oder dem Enddarm, ausdehnt. Die Prostata umgibt natürlicherweise den Blasenhals und den Anfangsteil der Harnröhre. Bei übermäßiger Ausdehnung verengt sie die Harnröhre. Die Folge ist eine Behinderung des Harnabflusses. Die Blasenentleerung erfolgt auch nicht mehr vollständig.
Die Vergrößerung der Prostata ist normalerweise ein langsamer Prozess, der sich oft erst Jahre nach dem Beginn des überschießenden Zellwachstums bemerkbar macht. Eine Verzögerung der Blasenentleerung und eine Abschwächung des Harnstrahls sind erste Symptome.
Bei der Tastuntersuchung durch den Enddarm kann jedoch auch eine Prostatahyperplasie im Anfangsstadium erkannt werden, selbst wenn sie noch keine Probleme macht.

Stadien und Symptome

Es werden drei Schweregrade der BPH unterschieden:
Stadium 1 (Reizstadium):
Die Vergrößerung der Prostata bewirkt einen erhöhten Abflusswiderstand. Er kann in dieser Phase noch durch die Blasenmuskulatur kompensiert werden. Es kommt nur zu leichteren Beschwerden. Typisch ist häufiges Wasserlassen - wobei nur kleine Mengen entleert werden (Pollakisurie) - sowie eine Verzögerung der Blasenentleerung. Die Betroffenen stehen oft minutenlang vor der Toilette oder dem Pissoire. Charakteristisch ist ebenso, dass die betroffenen Männer nachts aufstehen müssen, um Wasser zu lassen (Nykturie).

Stadium 2 (Restharnstadium):

Die zunehmende Verengung der Harnröhre kann durch die Blasenmuskulatur nicht mehr vollständig ausgeglichen werden. Die Blase entleert sich nicht mehr vollständig. Dieser Zustand wird als Restharnbildung bezeichnet, d.h. es bleibt immer eine gewisse Urinmenge in der Blase zurück. Die Häufigkeit des Wasserlassens nimmt immer mehr zu, die Harnmenge jedoch verringert sich. Die Restharnbildung begünstigt auch die Entstehung von Blasenentzündungen. Da die Infektion leicht in die Nieren aufsteigen kann, muss sie immer adäquat behandelt werden. Weitere charakteristische Symptome dieses Stadiums können die Bildung von Blasensteinen oder eine Dranginkontinenz (= unfreiwilliger Harnverlust in Kombination mit ständigem Harndrang) sein.

Stadium 3 (Dekompensationsstadium):

Durch die ständig zunehmende Menge an Restharn kommt es zu einem allmählichen Versagen der Blasenfunktion. Es entsteht eine so genannte Überlaufblase mit ständigem Harnträufeln. Es kann auch eine Harnverhaltung auftreten, bei der die Blase überhaupt nicht mehr entleert werden kann. Bei beiden Verläufen kommt es zu einem Rückstau von Harn über die Harnleiter in die Nieren. Gefährliche Schäden und Funktionseinschränkungen der Nieren, wie eine Niereninsuffizienz oder Harnvergiftung, können die Folge sein.
Ein akute Harnverhaltung wird als medizinischer Notfall angesehen. Die Symptome sind zunehmender Harndrang, der von starken Schmerzen begleitet sein kann. In diesem Fall muss ein Arzt die Blase mit Hilfe eines Katheters entlasten. Eine spontane Besserung der Symptome ist daraufhin zu beobachten.

Diagnose

Allein die charakteristischen Beschwerden weisen auf die Prostatahyperplasie hin. Die vergrößerte Drüse lässt sich leicht vom Enddarm aus tasten. Jedoch ist es wichtig, die Art und das Ausmaß der Ausdehnung vor einer Therapie durch weitere Untersuchungsmethoden abzuklären. Zudem können auch andere Erkrankungen, wie Blasensteine, eine Prostataentzündung oder ein Tumor, ähnliche Symptome hervorrufen. Um einen bösartigen Tumor auszuschließen, sollten Sie bei den genannten Beschwerden unbedingt zur Untersuchung gehen!
Weitere diagnostische Methoden können sein:

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach dem Erkrankungsstadium. Dabei wird in Stadium 1 meist nur mit Medikamenten, die auch auf pflanzlicher Grundlage basieren können, behandelt. Gelegentlich werden bei der medikamentösen Therapie auch mehrere Wirkstoffe miteinander kombiniert. Nur wenn der Patient durch seine Beschwerden stark beeinträchtigt ist, wird eine operative Behandlung erwogen.

Da in Stadium 2 gefährliche Komplikationen auftreten können, sollte auch bei weniger ausgeprägten Beschwerden operiert werden.
In Stadium 3 sollte baldmöglichst operiert werden. Die Befürchtung, dass es nach einer Operation zur Impotenz kommt, trifft nicht zu.

Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Präparaten, die bei der BPH eingesetzt werden können. Welches im Einzelfall eingenommen werden soll, muss individuell abgeklärt werden.
Es stehen auch verschiedene Verfahren zur Verfügung, um das überschüssige Prostatagewebe abzutragen. Eine eingehende individuelle Beratung ist hier unumgänglich.

Wie bei vielen anderen Erkrankungen gilt auch für die gutartige Prostatavergrößerung, dass eine möglichst frühzeitige Erkennung und Behandlung wichtig ist. Schwerwiegende Folgen können so vermieden werden und sanftere Behandlungsmethoden sind möglich. Daher sollte das Angebot der Vorsorgeuntersuchung regelmäßig genutzt werden.