Stigmata

Gekennzeichnet durch unerträgliche Schmerzen und einen qualvollen langsam eintretenden Tod gilt die Kreuzigung bis heute als eine der grausamsten Hinrichtungsmethoden eines Menschen. Am weitesten bekannt in der ganzen Welt ist die Kreuzigung Jesu Christi.
Auf seine am Kreuz durchlebten Leiden und seine anschließende Auferstehung gründet sich heute die ganze Glaubensgemeinschaft der Christen.

Doch bei einigen Menschen ist der Glaube an die Passion Christi heute noch viel lebendiger und deutlich sichtbarer als bei anderen: Es handelt sich dabei um die „Stigmatisierten“.

Das Auftreten von Stigmata
Unter Qualen empfangen die Stigmatisierten oftmals in Trance die Wundmale Jesu. An den Händen und Füßen zeichnen sich die Nagelwunden der Kreuzigung ab. Die Stichwunden der Dornenkrone erscheinen auf der Stirn. Bei einigen wenigen treten auch die Geißelungswunden durch die Peitsche am Rücken oder die Seitenwunde durch den Speerstich auf.
Begleitet wird der Umstand oftmals dadurch, dass Blut aus den Wunden austritt.

Aber woher rühren diese Wunden und können sie wirklich bei jedem auftreten?
Der Franzose Imbert-Gourbevre bringt im Jahr 1908 mit seiner Veröffentlichung von 321 gesammelten stigmatisierten Fällen erstmals Licht ins Dunkle.
Den Berichten zufolge kommen die Stigmatisierten aus streng katholischen Gegenden in Italien; Spanien oder Portugal und sind auch streng gläubig. Nur wenige Fälle aus England; Australien; Amerika; Frankreich oder Korea von nicht gläubigen Stigmatisierten wurden im Verlauf des 20. Jahrhunderts bekannt.
Das Phänomen tritt also hauptsächlich bei sehr frommen und gläubigen Menschen auf, wie auch die drei nachfolgenden Beispiele belegen.

Hl. Franziskus
Franz von Assisi war der erste Träger der Wundmale, der öffentliche Aufmerksamkeit erlangte. Obwohl er als Sohn eines reichen Tuchhändlers geboren wurde, wurde er vor allem durch seine strenge Einstellung dem materiellen Besitz gegenüber berühmt. Er verweigerte jegliche Art von materiellem Besitz und lebte als Mönch nur mit dem allernötigsten wie Unterwäsche, seiner Kutte und seinem Gürtel.
Im September 1224 erschien ihm dann in einer Vision die Gestalt Jesu mit Flügeln und prägte ihm die Wundmale in Hände; Füße sowie in die Seite ein.

Therese Neumann aus Konnersreuth
In der jüngeren Vergangenheit war Therese Neumann einer von vielen stigmatisierten Fällen, die für Aufsehen sorgten. Sie lebte Anfang des 20. Jahrhunderts als eines von 11 Kindern aus einer armen Schneidersfamilie in Konnersreuth - einem kleinen Dorf im Nordosten Bayerns an der tschechischen Grenze.
Bei einem Brand im Jahr 1918 zog sie sich so schwere Verletzungen zu, dass ihr Körper fortan gelähmt war.
Das Schicksal meinte es weiterhin nicht gut mit ihr. Ein Jahr später erblindete sie. Als fromme Christin schöpfte sie aber gerade in dieser aussichtslosen Zeit Hoffnung aus ihrem Glauben und betete täglich zur „Theresia vom Kinde Jesu“ - einer als heilig verehrten Klosterschwester.

Wie durch ein Wunder erlangte sie dann mit der Seligsprechung dieser Klosterschwester am 29. April 1923 ihr Augenlicht zurück. Und das sollte nicht die einzige Veränderung an ihr bleiben. Mit der Fastenzeit 1926 begannen dann die Nagelwunden, die Wundmale der Dornenkrone sowie die Geißelungswunden aufzutreten und auch zu bluten.
Trotz ihres Versuchs die Wundmale zu verheimlichen, entdeckten die Angehörigen diese und zogen Ärzte hinzu. Eine Heilung stellte sich aber letztendlich als unmöglich heraus.

Pater Pio
Ähnlich erging es auch dem katholischen Ordensmann Francesco Forgione, der als wundertätiger Mönch; Heiler und eben als Stigmatisierter unter dem „Namen“ Pater Pio“ in die Geschichte einging.
Die Ärzte fanden auch bei ihm keine Erklärung für dieses Phänomen. Francesco Forgione wurde 1887 in einem kleinen Dorf bei Neapel als Sohn eines Bauern geboren. Im stattlichen Alter von 17 Jahren trat er dann bereits in den Orden der Kapuziner in Foggia ein.
Zunächst klagte Pater Pio lediglich über Schmerzen an Händen und Füßen sowie an der Seite.
Eines Tages jedoch brach er bewusstlos zusammen. An seinen Handflächen und an seinen Füßen trat Blut aus.
Pater Pio wollte ebenfalls kein großes Aufheben um seine Stigmatisierung machen und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Seinen religiösen Pflichten ging er dennoch nach. Um Wunden an den Händen vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen, trug er bei seinen Messen Handschuhe.
Erst kurz vor seinem Tod im Jahre 1968 verschwanden die Wundmale.
Von Papst Johannes Paul II. wurde er im Jahr 2002 heilig gesprochen.

Diese 3 Beispiele zeigen einmal mehr wie sehr das Phänomen „Stigmata“ Rätsel aufgibt. Was steckt wirklich dahinter? Was sagen Kirche und Wissenschaftler dazu? Liegt die Antwort zu all diesen Fragen auf der Hand? Oder müssen erst alte Wunden aufgerissen werden, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen?